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Klima-Angst

Alles rund um deine mentale Gesundheit im Klimawandel

FAQ Klima-Angst

Hier findest du Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen rund um Klima-Angst.

Was ist Klima-Angst?
Klima-Angst beschreibt die Sorge, dass der Klimawandel das eigene Leben bedroht oder massiv einschränken wird oder die menschliche Zivilisation bzw. alles Leben auf der Erde gefährdet. Darüber hinaus ist Klima-Angst auch ein Sammelbegriff für alle negativen Emotionen, die Menschen in Zeiten der Klimakrise erfahren. Eine vollständige Definition findest du hier.

Was ist die korrekte Schreibweise?
Etabliert haben sich die Schreibweise Klima-Angst, als auch Klimaangst. Beides ist grammatikalisch richtig. Klima-Angst ist aufgrund der Dopplung des A etwas eleganter und wird deswegen auf dieser Seite verwendet. Beide Schreibweisen sind ziemlich genau gleich viel verbreitet. Das englische Äquivalent ist eco-anxiety, aber auch climate-anxiety und climate-fear.

Ist Klima-Angst eine offizielle Diagnose oder Krankheit?
Nein, Klima-Angst ist erst mal nur ein Begriff für die Sorgen bezüglich der Folgen des Klimawandels. Dies ist eine natürliche Reaktion und eher in Ausnahmen als pathologisch einzustufen, falls dies überhaupt möglich ist. Für eine Anerkennung als Krankheit müsste Klima-Angst nämlich eine offizielle Klassifikation im ICD bekommen. Dies ist aktuell nicht der Fall, deswegen kann man sich nicht konkret wegen Klima-Angst krankschreiben lassen oder eine Therapie machen. Auf dieser Seite verwenden wir meist den Begriff der kritischen Klima-Angst statt pathologischer Klima-Angst, um eine Abgrenzung zu einer mentalen Erkrankung zu verdeutlichen.
Sollte es in Zukunft eine Aufnahme im ICD geben bedeutet das aber nicht, dass die Sorgen ums Klima dann eine Krankheit wäre, sondern nur, dass der Umgang mit den einhergehenden Emotionen ab einer gewissen Stärke schädlich ist.

Kann ich trotzdem professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn ich aufgrund der Sorgen um das Klima einen hohen Leidensdruck verspüre?
Ja. Für Psychotherapien ist es erst mal egal, warum du leidest. Sobald du Symptome wie Panikattacken, einnehmende Gefühle der Angst oder depressiven Verstimmungen erlebst, kannst du dir professionelle Hilfe suchen. Die Ursachen für diese sind zweitrangig, es geht um den wahrgenommen persönlichen Leidensdruck. Da trotzdem eine Diagnose für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse nötig ist, wird evtl. eine Depression oder Angststörung festgestellt, auch wenn das möglicherweise nicht ganz passend ist, da Klima-Angst schlecht in bisherige Krankheitsdefinitionen passt.

Was kann ich tun, wenn ich unter Klima-Angst leide?
Da die Problematik so komplex ist, gibt es auch viele verschiedene Ansätze, mit deiner Angst einen gesunden Umgang zu finden. Loswerden muss man die Angst auch nicht unbedingt, das ist in den meisten Fällen weder möglich noch nötig. Angst ist erst mal nichts Schlechtes. Am besten beschäftigst du dich zuerst ausgiebig mit den verschiedenen Facetten von Klima-Angst. In unseren Artikeln findest du alle nötigen Informationen dazu.

Ist Klima-Angst überhaupt berechtigt und soll man sie ernst nehmen?
Definitiv muss man die psychische Belastung im Kontext des Klimawandels ernst nehmen. 41 % aller Deutschen fürchten sich vor den Folgen des Klimawandels1. Dass diese Sorgen Einfluss auf die mentale Gesundheit haben ist unbestritten. Die potenzielle Bedrohung ist ja enorm. Grundbedürfnisse wie Sicherheit, Nahrung und Wasser sind konkret bedroht. Da man der Thematik nicht entgehen kann, ist die Angst omnipräsent. In jedem Artikel über Umweltkatastrophen aber auch Nachhaltigkeit und Umweltschutz generell schwingt die Furcht vor massiven Einschränkungen und Bedrohungen mit.

Ist es überhaupt richtig, die eigene Angst reduzieren zu wollen?
Wir glauben, dass langfristiger und nachhaltiger Aktivismus nur funktionieren kann, wenn die Menschen dabei mentale gesund bleiben. In Panik zu geraten ist vielleicht ehrenvoll, weil es echte Betroffenheit ausdrückt, am Ende aber kontraproduktiv. Die meisten Menschen reduzieren ihr Engagement nicht, nur weil sie einen besseren Umgang mit ihrer Angst finden. Im Gegenteil: Oft haben sie erst durch diese Emotionsregulierung die mentale Kapazität etwas zu bewirken.

Wir in der nordwestlichen Hemisphäre sind doch gar nicht die echten Betroffenen. Ist es nicht verrückt, dass sich jetzt privilegierte Menschen aufgrund des Klimawandels um ihre mentale Gesundheit kümmern?
Es stimmt, wer diesen Text hier liest gehört zu den privilegiertesten Menschen auf diesem Planeten. Dass Argument, dass man sich keine Sorgen machen darf, weil es anderen schlechter geht, wurde aber schon immer mit zweifelhaften Intentionen benutzt. Es ist ein generelles Verbot zu fühlen, weil man nicht zu denen gehört, die es schlimmer haben.
Der persönliche Leidensdruck kann auch für Menschen, denen es „eigentlich gut“ geht enorm sein. Das Ziel von der Reduzierung von Klima-Angst ist auch nie, dass sich Betroffene dann entspannt zurücklehnen, sondern der reduzierte Leidensdruck ihnen überhaupt erst wieder ermöglicht sich zu engagieren und Teil des öffentlichen Diskurses beim Klimawandel zu sein. Diese Möglichkeit darf man diesen Menschen nicht pauschal absprechen. Die Ursachen für Klima-Angst sind natürlich nur indirekt die Sorgen der Betroffenen, sondern das System, dass diesen Planeten in seinen jetzigen Zustand versetzt hat. Allgemeine Systemkritik hat seine Berechtigung, wirkt auf Betroffene aber zynisch. Pauschal den Kapitalismus und globale Ungerechtigkeit als eigentlichen Feind zu benennen ist verständlich, aber im Kontext der mentalen Gesundheit nicht zielführend. Betroffene sind immer gut informiert über die Fehler im System und meist sehr engagiert und politisch aktiv. Das Klischee der reichen, weißen, jungen Frau, die „einfach zu sensibel“ ist, trifft in der Regel nicht zu und ist eine verbitterte Sichtweise auf ein viel komplexeres Problem. Diese Menschen wollen nicht durch eine Therapie lernen den Zustand der Welt zu akzeptieren und weiterzumachen wie bisher, sondern müssen ihre Angst auf ein erträgliches Maß bringen, um überhaupt ihren Alltag bestreiten zu können. Kritiker*innen lehnen schon diesen Prozess ab, denn in ihren Augen hat nur, wer Panik hat die Dringlichkeit der Lage verstanden. Sie wünschen sich Bekämpfer*innen des Systems und keine entspannten reichen Menschen, die ihren Frieden mit dem Klimawandel gemacht haben. Diese Sichtweise hat ehrenvolle Motive, ist aber an der Realität der Betroffenen weit vorbei.

Darf ich Inhalte dieser Website teilen?
Ja, aber unter bestimmten Voraussetzungen. Achte darauf, immer die korrekte Quelle anzugeben, also z.B. www.klima-angst.de oder auf Instagram @klimaangst. Vermeide es, unsere Inhalte als die eigenen auszugeben und paraphrasiere unsere Aussagen nicht.

Kann ich irgendwo offline Hilfe zu meiner Klima-Angst bekommen?
Ja, du kannst dich bei hohem Leidensdruck immer an Psychotherapeut*innen wenden. Dass sie deine Sorgen verstehen ist leider nicht immer sichergestellt. Trotzdem können sie dir Werkzeuge an die Hand geben, mit denen du einen gesunden Umgang mit deinen Gefühlen finden kannst. Außerdem bieten Psychologists for Future online Beratungen für Engagierte an. Zusätzlich gibt es immer mehr Workshops und Selbsthilfegruppen zu dem Thema. Dennoch ist das Angebot bisher sehr gering und hauptsächlich in Metropolen zu finden. Leider können wir derzeit keine aktuellen oder regelmäßigen Veranstaltungen empfehlen.

Kann ich mich irgendwo mit anderen Betroffenen austauschen?
Online gibt es ein paar Foren, die sich auch mit der psychologischen Seite des Klimawandels beschäftigen. Auch auf Facebook gibt es einige Gruppen dazu, die Qualität der Beiträge und Hilfe ist aber sehr variabel. Ein Hilfeforum, das wir uneingeschränkt empfehlen können, ist uns bisher nicht bekannt. Deswegen vermeiden wir an dieser Stelle Links. Wir selbst bieten kein Forum an.

Beratet ihr auch persönlich bei Problemen mit Klima-Angst?
Nein. Bitte vermeide es, uns deine persönlichen Erfahrungen zuzusenden, wir haben leider nicht die nötigen Ressourcen, um auf Einzelfälle im Detail einzugehen.

Kann ich euch interviewen?
Generell ist das möglich, alle Informationen dazu findest du hier. Aufgrund der vielen Anfragen können wir derzeit leider nicht alle zeitnah beantworten. Unter bestimmten Voraussetzungen kannst du dir alle nötigen Antworten von dieser Website zusammen suchen und dann einfach eine Freigabe von uns einholen.

Ich würde mich gerne vernetzen oder austauschen, wie kann ich das tun?
Am besten kontaktierst du uns über unser Kontaktformular. Derzeit können wir leider nicht alle Anfragen beantworten aber freuen uns immer über Kooperationen und Synergien.

Wer betreibt diese Website?
Alle Texte, die nicht anders gekennzeichnet sind, stammen von Jan Lenarz, Aktivist für mentale Gesundheit und Autor und Verleger aus Berlin. Ihm stehen mehrere Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen beratend zur Seite.

Die Inhalte dieser Website werden also nicht vorrangig von Psycholog*innen verfasst?
Das ist richtig und durchaus kritikwürdig, deswegen werden alle Aussagen, die den Charakter einer medizinischen Beratung haben können von Psycholog*innen und/oder Psychotherapeut*innen kontrolliert. Klima-Angst ist aber generell kein rein psychologisches Problem und Bedarf deswegen auch Überlegungen, die über die Psychologie hinaus gehen. Philosophie, Spiritualität, Achtsamkeit und Soziologie sind ebenfalls wichtige Felder, die bei der Behandlung von Klima-Angst eine Rolle spielen. Der Hauptautor dieses Projekts hat den Anspruch all diese Themengebiete in einen sinnvollen Zusammenhang zu setzen. Diese teils komplexen Überlegungen greifbar zu erklären muss nicht zwangsläufig durch Psycholog*innen erfolgen. Wir sind dabei sehr offen für Verbesserungsvorschläge von Expert*innen und sehen Kritik an unserer Arbeit als Grundpfeiler für anspruchsvolle, wissenschaftliche Arbeit. Der aktuelle Stand unserer Erkenntnisse ist immer nur eine Annäherung an die Thematik und wird hinfällig, sobald es bessere Erklärungen gibt.

Quellenangabe

  1. R+V-Infocenter: Die Ängste der Deutschen 2019